Finanzkrise zwingt Hedge Fonds in die Knie

Die Hedge-Fonds-Industrie steckt in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Wegen massiver Kursschwankungen der vergangenen Monate mussten bereits drei von vier Hedge Fonds ihren Anlegern Verluste bekannt geben. In diesen volatilen Zeiten nehmen die Schwierigkeiten aber nicht ab, sondern werden kontinuierlich größer. Als Beispiel für die anhaltenden Probleme der Branche ist der börsennotierte Hedge Fonds Man Group zu nennen. Der Fonds hat in den ersten sechs Monaten bis Ende September dieses Jahres aufgrund der Finanzkrise deutlich weniger verdient. Erst gestern, Donnerstag, brach das Papier des Hedge Fonds um 30 Prozent ein. Auch sank das verwaltete Vermögen stärker als noch vor wenigen Wochen angekündigt. Wie das Handelsblatt heute, Freitag, berichtet, sprach das Londoner Brokerhaus Exodus, von einem „schockierenden Ereignis“. Den Hedge-Fonds-Flaggschiffen stehen somit heikle Zeiten bevor.
„Angesichts der gegenwärtigen Situation an den Börsen sollten Hedge Fonds nicht vorschnell und undifferenziert unter Generalverdacht gestellt werden“, sagt ein Branchenbeobachter im Gespräch mit pressetext. Laut dem Insider komme es immer auf den Einzelfall an. „Teils immense Kurseinbrüche müssen gegenwärtig auch Private-Equity-Fonds, Zertifikate oder kleinere Publikumsfonds hinnehmen. Insofern sind fast alle Fonds betroffen“, unterstreicht der Fachmann einer renommierten Frankfurter Beratungsgesellschaft. Die aktuellen Zahlen verdeutlichen den Absturz des einst an der Börse gefeierten Man-Hedge-Fonds. So sank der Gewinn vor Steuern wegen der geringeren Provisionseinnahmen und Sonderausgaben um 24 Prozent auf 622 Mio. Dollar. Der im FTSE 100 notierte Konzern gab bekannt, dass sich das verwaltete Vermögen seit Ende März um neun Prozent auf 67,6 Mrd. Dollar verschmälert hat.

Erst Ende September hatte der Finanzriese noch mit einem Rückgang auf 70,3 Mrd. Dollar gerechnet. Der Kurssturz ist für das Unternehmen ein Desaster, da er der größte ist, den es je gab. Man-Vorstandschef Peter Clarke fand für die schlechte Performance klare Worte und verwies auf die „schlimmste Finanzkrise seit Generationen“. Auch würden „Größe oder bekannte Marken längst nicht mehr vor Verlusten schützen“, so der Manager. Experten befürchten unterdessen, dass insgesamt jeder dritte Fonds die Krise nicht überstehen wird. Wegen der hohen Verluste rechnen Brancheninsider bereits damit, dass es zu einer neuen Welle von Notverkäufen an den globalen Wertpapiermärkten kommt. Weitere Kursrutsche an den Börsen wären damit unvermeidlich. Der Fachzeitschrift Financial News zufolge haben bereits drei Viertel der hundert größten Hedge Fonds ihren Anlegern 2008 Verluste gebracht.

„Trotz der Zahlen will ich nicht ausschließen, dass es auch Gewinner gibt. Bei allen Fonds hängt es davon ab, wo man sich im Zyklus befindet und welche Anlagestrategien verfolgt werden“, gibt der Finanzfachmann gegenüber pressetext zu bedenken. Die Geschäftszahlen scheinen trotzdem wenig Anlass zum Optimismus zu geben. So verlor der prominente JPMorgan-Chase-Fonds Highbridge Capital rund 14 Prozent an Wert, während der neue Fonds von Goldman Sachs Investment Partners seit Januar 2008 Finanzkreisen zufolge rund 16 Prozent an Wert eingebüßt hat. Beträchtlich sind auch die Verluste des britischen Hedge Fonds TCI, der seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent Werteinbrüche zu beklagen hat. Der größte Fonds der Hedge-Fonds-Gruppe Citadel hat sich 2008 um 30 Prozent seines Werts verringert. Laut Hedge Fonds Research verwaltete die Branche zu Jahresbeginn noch 1,9 Bio. Dollar. Seither ist das gesamte Vermögen um 200 Mrd. Dollar geschrumpft.

via pressetext

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