Krise der Investmentfonds unaufhaltsam

Anleger fliehen massenhaft aus Investmentfonds und stürzen die Branche damit in eine ihrer schwersten Krisen seit 1993. Nachdem europäische Investoren im September rund 124 Mrd. Euro aus Fonds abgezogen haben, sind es mit 46,3 Mrd. Euro im Oktober vor allem deutsche Anleger, die ihr Kapital in Sicherheit bringen. Insider sprechen hinter vorgehaltener Hand bereits davon, dass 2008 insgesamt 400 Mrd. Euro fehlen werden, die den Markt so gut wie austrocknen werden. „Meiner Meinung nach, wird diese Zahl nicht ausreichen. Für die Fondsbranche wird es in den kommenden Jahren extrem schwierig werden, Gewinne zu erzielen“, erklärt Jörg Urlaub, Vorstand des Vermögensverwalters Incam.

Dass diese Einschätzung keine Schwarzmalerei ist, bestätigt sich darin, dass im Oktober 2008 vier Mal so viel wie im bisherigen Negativmonat Dezember 1993 abgezogen wurde. Experten kommentieren diese Entwicklung mit dem „größten Käuferstreik aller Zeiten“. Gestützt wird diese Sichtweise durch die Volumenentwicklung des Vermögens der ursprünglich auf private Anleger zielenden Publikumsfonds. Dieses ging in nur zwölf Monaten um 22 Prozent auf 585 Mrd. Euro zurück. Dabei halbierte sich der Aktienfondsbestand in diesem Zeitraum fast. „Es ist angesichts der teils erheblich einbrechenden Performance der Fonds um bis zu 90 Prozent damit zu rechnen, dass diese zunehmend austrocknen und kleiner werden sowie mit anderen fusioniert werden“, meint Urlaub im pressetext-Interview. Dem Finanzfachmann nach wird diese dramatische Entwicklung nicht nur bei Fondsanbietern wie Fidelity zu Jobabbau führen.

Die Erträge der Fondsgesellschaften leiden unter den Mittelabflüssen. Wie das Handelsblatt heute, Donnerstag, unter Berufung auf den Präsidenten des Bundesverbands Investment und Asset Management, Wolfgang Mansfeld, berichtet, seien die noch Mitte des Jahres abgegebenen Prognosen für einen steuerlich getriebenen Absatzboom im Vorfeld der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer „Makulatur“. „Wir haben es bei den Anlegern derzeit mit einer kompletten Strategieänderung der privaten Portfolioplanung zu tun. Ich rate dazu, in Zeiten wie diesen auf Einzelwerte zu setzen. Diese erholen sich viel schneller, während Fonds diesen Vorsprung niemals aufholen können“, sagt Urlaub. Laut dem Experten seien Konzerne wie E.ON, RWE oder Nestle gesund und versprechen gute Renditeaussichten. Auf Einzeltitel zu setzen, sollte man aber einem erfahrenem Fachmann überlassen, gibt Urlaub zu bedenken.

Die desaströsen Oktoberzahlen sind vor allem auf die Kapitalabzüge aus Geldmarktfonds und Rentenfonds mit Anleihen kurzer Laufzeit zurückzuführen. Unterdessen sehen Fachleute die gesamte Branche vor einer immensen Konsolidierung. Die von Urlaub in Aussicht gestellten Fusionen von Fonds und das geringere Produktangebot erwartet auch Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fonds Consult. „Der Trend geht weg von komplexen Fonds“, zitiert der Bericht den Fondsexperten. Ein Sterben von kleinen Dach- und Mischfonds wird erwartet – und dass, obwohl deren Zahl ein Jahr vor der Abgeltungsteuer um mehr als 700 auf knapp 1.700 angestiegen ist. „Die Hälfte dieser Fonds ist wirtschaftlich schon tot“, lässt sich Sälzle zitieren. Trotz der Krise erhofft sich die Branche Schubkraft von institutionellen Anlegern, die bei Publikumsfonds wichtiger werden. Zudem sinken die Zinsen, was Interesse weckt.

via pressetext

  1. One Response to “Krise der Investmentfonds unaufhaltsam”

  2. Vielleicht ist ein „Absterben“ von einigen Fonds gar nicht so schlecht. Die wirtschaftlich gut aufgestellten Fonds werden Überleben und in die wird es sich lohnen in Zukunft zu investieren. Die Frage ist nur, wann der richtige Zeitpunkt für eine Investition gekommen ist?

    Noch vor der Abgeltungssteuer oder erst das „Sterben“ abwarten?

    Von investmentfondsliebhaber am Dez 4, 2008

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